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Frakturen im Alter

veröffentlicht am: 28. Mai 2010

Die zunehmende Überalterung der Gesellschaft resultiert in einer Zunahme von typischen Erkrankungen des älteren Menschen, wie z.B. kardiovaskuläre , neurodegenerative oder Tumorerkrankungen. Leistungsevident sind aber vor allem muskuloskelettale Erkrankungen etwa nach Stürzen mit folgender Fraktur.
Frakturen im höheren Lebensalter erfahren also eine zunehmende epidemiologische und gesundheitsökonomische Bedeutung. In diesem Zusammenhang sind insbesondere proximale Femurfrakturen, Wirbelkörper- und Handgelenksfrakturen zu nennen. Es ist zukünftig mit einem weiteren drastischen Anstieg von Frakturen zu rechnen. So schätzt man, dass allein die hüftgelenksnahen Frakturen bis zum Jahre 2020 bei Alterspatienten um 27 % zunehmen.
Dieser Problematik Rechnung tragend, fand am 19.05.10 in Erfurt die zweite gemeinsame, von der Landesärztekammer zertifizierte Fortbildungsveranstaltung der Fachklinik für Geriatrie in Lengenfeld unterm Stein und der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am St. Johann-Nepomuk-Krankenhaus Erfurt statt.

An der Veranstaltung nahmen alle in der Unfallchirurgie und Geriatrie involvierten Berufsgruppen teil. Das Interesse für die gewählte Thematik war an dem gut gefüllten Hörsaal der Krankenpflegeschule ablesbar. Die Fortbildung wurde geleitet und moderiert vom Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie Dr. med. K. Gruner.

Dr. med. Franke erläuterte zunächst die Problematik Stürze im Alter. Berichtet wurde über die Ursache von Stürzen, deren Diagnostik, aber vor allem über die therapeutischen Möglichkeiten, die eine geriatrische Behandlung bietet. In diesem Zusammenhang konnten eindrucksvolle Daten übermittelt werden. U.a. ist es möglich, 57 % aller nach einem Sturz gehunfähigen Patienten durch eine entsprechende Behandlung soweit zu mobilisieren, dass ein Laufen mit Begleit- bzw. Hilfsperson möglich ist.
Die Tatsache, dass aber nur 17 % der im Durchschnitt 80-jährigen Frakturpatienten völlig selbständig wieder gehen können, unterstreicht die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen, aber auch eine rasche Verlegung der Patienten nach einer unfallchirurgischen Versorgung in eine Klinik mit entsprechenden Möglichkeiten zur Mobilisierung von Alterspatienten einzuleiten.
Inwieweit die Gehfähigkeit wieder erlernbar ist, hängt nicht unwesentlich von der Belastungsstabilität der Fraktur ab. Zu diesem sehr wichtigem Thema nahm Dr med. T. Eichhorn, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie des St. Johann Nepomuk-Krankenhauses, Stellung.

In mehrfacher Hinsicht waren seine Ausführungen bemerkenswert und beeindruckten insbesondere die Zuhörer aus der Geriatrischen Fachklinik.
Wer nun erwartet hätte, mit verschiedensten Frakturen, Operationstechniken und deren Übungs- und Belastungsstabilität überschüttet zu werden, musste sich sehr rasch eines Besseren belehren lassen. Verwundert nahm man zur Kenntnis, dass ein junger Oberarzt für die Planung seiner operativen Eingriffe das geriatrische Assessment mit in seine diagnostischen und therapeutischen Überlegungen einbezieht.
Das hätte niemand in dieser Form erwartet, mehr noch, weil auch Aspekte des sozialen Umfeldes chirurgischerseits bei der Behandlungsplanung beachtet werden.
Die in diesem Vortrag erwähnten Elemente des geriatrischen Assessments sind aus geriatrischer Sicht ausreichend und effizient.
Jedem Zuhörer wurde sehr schnell klar, dass der Erfolg einer späteren geriatrischen Therapie von dem frühestmöglichen Beginn abhängt. Daher zielen die unfallchirurgischen Interventionen bei Alterspatienten primär auf eine belastungsstabile Versorgung ab.
Die Bedeutung der Nahtstelle zwischen Akutversorgung und zeitnaher geriatrischer Intervention wurde nur all zu deutlich herausgearbeitet. Das ist Medizin mit Weitblick, die über den eigenen Tellerrand hinausblickt.

Als „altgedienter“ Geriater kann ich nur mit Nachdruck darauf hinweisen, dass ähnlich gelagerte Weiterbildungsveranstaltungen angesichts der Dynamik der Alterstraumatologie dringend erforderlich sind.

Es hat mich außerordentlich gefreut, diesen Vortrag von einem noch sehr jungen Kollegen präsentiert zu bekommen. Dies macht zuversichtlich für die weitere effiziente Etablierung der Geriatrie, aber im speziellen auch der alterstraumatologischen Versorgung.

Interessanterweise ging die Initiative für die gemeinsame Weiterbildungsveranstaltung von den Unfallchirurgen aus.
Für die Entwicklung des Fachgebiets Geriatrie im Kanon der anderen Medizinfächer wäre es wünschenswert, wenn andere Fachdisziplinen der Geriatrie gegenüber ähnliche Wertschätzung entgegenbringen würden. Dafür gilt der unfallchirurgischen Abteilung mein außerordentlicher Dank.

Einvernehmlich wurde beschlossen, dass gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen fester Bestandteil des Jahresprogrammes der beiden Kliniken sein werden.

Dr. med. Franke
Chefarzt