Der Schwesternkonvent

Wenn wir die geschichtliche Vergangenheit des Eichsfeldes an unseren geistigen Augen vorüberziehen lassen, so können wir nicht nur von einem Land der Burgen sprechen, sondern wir können auch nicht umhin, die kulturelle und geistige Bedeutung der eichsfeldischen Klöster zu erwähnen. Diese Klöster haben bis zu ihrer Säkularisation im Jahre 1802 viel für die Armen- und Krankenpflege getan. Dabei haben sie selbst oft an Not und Armut gelitten.

Wenn wir auch den Untergang der eichsfeldischen Klöster als sehr schmerzlich empfinden, so war es doch kein unersetzlicher Verlust. Denn überall in den Gemeinden wurden diese Klöster in der Neuzeit durch die Schwesternhäuser ersetzt, die sich voll und ganz der Krankenpflege und der Caritas widmen.

Die Olper Franziskanerinnen in Lengenfeld

Gruppenbild des Schwesternkonvents auf dem Jahre 1949

Auch Lengenfeld unterm Stein hat das große Glück ein Schwesternhaus zu besitzen, das auf eine glückliche und segenbringende Vergangenheit zurückblicken kann.

Ein langgehegter Wunsch der Lengenfelder Einwohner ging in Erfüllung, als am 29. Mai 1905 auf Anregung des damaligen Pfarrers Johannes Kirchner (1902 bis 1927 in Lengenfeld unterm Stein) vier Schwestern, arme Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus in Olpe, die Lengenfelder Schwesternstation gründeten.

Gruppenbild der Franziskanerinnen (50er Jahre) Diese Schwestern, Schw. Adelgunde als Oberin, Schw. Harlindes, Schw. Antoinette und Schw. Ignatis, trafen an diesem Tage um 18.00 Uhr in Lengenfeld ein. Dieser Tag ist in die Geschichte unserer Dorfheimat mit goldenen Lettern eingeschrieben, denn er bedeutet doch zugleich den Gründungstag unseres Schwesternhauses. Zum Empfang hatte sich der größte Teil aller Einwohner mit ihrem Herrn Pfarrer Kirchner am „alten Bahnhof” eingefunden, um ihre Schwestern in die Kirche und von dort in ihr vorläufiges Heim in der Backgasse zu geleiten. Über den herzlichen Empfang wollen wir einen Augenzeugen berichten lassen:

Schwesternkonvent im Jahre 1969 „Der 29. Mai 1905 war für unsere Gemeinde ein großer Tag. Hieß es doch damals: Heute um 6.00 Uhr kommen unsere Schwestern!
Straßen und Häuser vom vorläufigen Schwesternhaus bis zum alten Bahnhof waren mit Maiengrün und Fahnen geschmückt. Gegen 17.45 Uhr bewegte sich vom Gotteshaus eine Prozession mit Kreuz und Fahnen zur Haltestelle auf dem Kirchberg. Wohl selten hat diese so viele Menschen gesehen als an diesem Abend.
Als gegen 18.00 Uhr der Zug einlief, drängten sich die Massen an dem Absperrzaun; ein jeder wollte die Schwestern zuerst sehen. Auf dem Bahnsteig hatten Herr Pfarrer Kirchner, der Schulze Steinwachs, der Kirchenvorstand und die Meßdiener Aufstellung genommen.
Schon sah man vier Schwestern in ihrer braunen Franziskanerkleidung aussteigen. Herzliche Begrüßungsworte des Pfarrers Kirchner und des Schulzen Steinwachs wechselten. Dann wurden die Schwestern in feierlichem Zuge unter Gesang nach ihrem Heim geleitet, woselbst Herr Pfarrer Kirchner dasselbe einsegnete und den Schwestern zu treuen Händen übergab. Am Abend des gleichen Tages wurde zu Ehren der Ankunft unserer Schwestern die Grotte hell erleuchtet, als Zeichen dafür, dass Maria, unsere Mutter, ihre Hände segnend über das neu begonnene Werk halten möge.”


Die Schwestern hatten zunächst noch kein eigenes Heim, sondern wohnten zur Miete im Hause der Familie Riese (1984 Eigentum der Witwe Berta Oberthür) in der Backgasse. Schon jetzt zeigte sich der große Segen, den die Schwestern in unser Heimatdorf gebracht hatten. Sie richteten sofort einen Kindergarten ein, gaben schulentlassenen Mädchen Nähunterricht und beschäftigten sich mit ambulanter Krankenpflege.

Gruppenbild der Näh- und Kochschülerinnen Freudig erinnern sich noch viele Lengenfelder an die Zeit, in der sie bei der guten Tante Schwester Andonnerte zum ersten Mal in den Kindergarten in der Backgasse gehen konnten. Ebenso begeistert sind die Mädels aus dieser Zeit – aber heute schon Urgroßmutter – über die Anleitung, die sie von der Nähschwester Ignatis erhalten haben. Manches Ausstattungsstück für die Heirat ist unter der fürsorglichen Aufsicht unserer Nähschwester fertiggestellt worden.

Aus der Kirchenchronik von Walther Fuchs